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Die unverschönte Wahrheit ...

... an alle Mädchen da draußen, die im selben Loch festsitzen ..

Ich habe damals als ich in meinem Loch saß erwartet, dass jeder mich versteht. Das mir jemand die Hand reicht und alles wieder gut ist. Und das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass niemand für mich stark sein wird. Das niemand mir aus dieser Situation heraus helfen kann und ich es ganz alleine schaffen muss.

Und ja, heute stehe ich hier .. oben, neben dem Loch .. und kann stolz zurück blicken und sagen, dass ich es geschafft habe.

Es war sicherlich kein leichter Weg, keinen einzigen Tag davon war es das. Aber der Kampf war es so was von wert. Ich bin nicht nur gesund, habe gelernt mich selbst zu lieben .. nein. Ich habe auch zu mir selbst gefunden. Und bin durch das Ganze der Mensch geworden der ich heute bin. Diese Geschichte ist ein Teil von mir, auf den ich nicht unbedingt stolz bin, aber der zu mir gehört und ja, den ich vielleicht nicht missen will. Weil wer weiß wo und wer ich sonst heute wäre?!

Dieser Text geht vor allem an die Mädels da draußen, denen es genauso geht wie mir, als ich dort in diesem Loch saß..

 

Ich weiß noch genau wie damals alles anfing.

Mein Chef hat mir eingeredet, dass ich zu dick bin. Nicht schön genug. Und Mädels, ganz ehrlich, ich war nie zu dick.

Naja, solche Worte prallen natürlich nicht einfach so an einem ab, zumindest nicht an mir. Und so ist es dazu gekommen, dass ich 10 kg in 3 Monaten abgenommen habe. Zunächst auf einem ganz „gesunden“ Weg. Wenn man Low Carb und Kalorienzählen als „gesund“ betrachten mag. (;

Doch dann kam natürlich plötzlich der Heißhunger. Und ich hatte so panische Angst wieder zuzunehmen. Ich habe mich nach jedem Essen gewogen. Wirklich nach jedem. Manchmal auch nach jedem Toilettengang in der Hoffnung, dass vielleicht ein paar Gramm verschwunden sind.

Und dann, ja dann kam irgendwann der Moment in dem ich überm Klo hing und einfach nur noch wollte, dass all das was ich soeben in mich rein gestopft habe, auf dem schnellsten Weg wieder aus mir heraus kommt, ohne auch nur die Chance zu haben auf meinen Hüften zu landen.

Am Anfang dachte ich, ich habe das Ganze unter Kontrolle. Das ich jeder Zeit damit aufhören kann. Doch natürlich hatte ich das nicht. Vermutlich keine einzige Sekunde hatte ich das.

Nach nem schlechten Tag bin ich in den Edeka gefahren, hab mir ne Tüte Chips, zwei Tafeln Schokolade, zwei Tüten Gummizeug und weiß ich nicht was alles noch gekauft. Und ja, mir war in dem Laden schon klar, dass ich das gleich alles essen werde und auch wo ich danach landen werde. Aber in dem Moment war es als würde ich neben mir stehen. Ich hatte mich null unter Kontrolle. Ich wollte einfach nur Fressen, das ganze Süße Zeug in mir spüren und glücklich sein. Zumindest für diesen kleinen Moment glücklich und zufrieden sein.

Um danach auf der Toilette zu landen und am liebsten sterben zu wollen.

Es war schrecklich. Jeden einzelnen Tag. Und man hat sich immer wieder auf ein Neues belogen. „Das wird das letzte Mal sein. Nur noch heute. Nur noch einmal.“ Es war nie das Letzte Mal. Es war jedes mal ein Schritt tiefer in die Sucht hinein.

Wenn man nun schon 3000kcal gegessen hat, kann man ja auch noch die vierte Tafel Schokolade essen. Nun ist es ja auch egal. Es landet ja gleich eh wieder alles draußen, also wieso nicht auch noch die leckere Crisp Schokolade essen. Wenn man sich ja nun einmal was „gönnt“ dann auch richtig. Wenn man kotzt, dann muss es sich nun auch lohnen ..

Ich weiß, dass diejenigen von euch, die nicht diese Sucht haben, das vermutlich nicht nachvollziehen können. Ihr werdet denken „wie bescheuert. Wie kann man sowas machen. Du bist doch nicht dick. Wieso tust du dir sowas an.“ Und genau diese Gedanken hatte ich in klaren Momenten auch. Aber .. es ist einfach eine Sucht. Es ist eine Krankheit. Und man hat sich in diesen Momenten einfach nicht mehr unter Kontrolle. Das Gehirn schaltet vollends aus. Als wären da zwei Persönlichkeiten in einem Körper und auf einmal ergreift die eine Besitz über einen und man hat sich einfach nicht mehr im Griff.

Ich schreibe das hier auch nicht, damit irgendjemand das Ganze versteht .. ich glaube das kann man wirklich nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ich schreibe das, an all die Mädchen dadraussen, denen es genauso geht. Damit sie wissen, dass sie nicht alleine sind, dass es Menschen gibt, die die selben Gedankengänge haben / hatten. Und das es Menschen gibt, die es geschafft haben, eben genau diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Und genau dazu will ich jetzt kommen ..

Ich habe in der Zeit sehr viele Menschen verloren. Weil ich mich zurück gezogen habe. Und ja, ich sage es ehrlich .. es war NIEMAND für mich da. Selbst die wenigen Freundinnen denen ich mich geöffnet habe, haben es einfach nicht ernst genommen. „Wenn du das noch mal machst dann sag mir Bescheid, dann gehe ich mit dir zum Arzt. Das geht so nicht mehr.“ Aha .. hat mich jemand an die Hand genommen und ist mit mir zum Arzt gegangen? Nein. Hat mich jemals wieder jemand darauf angesprochen nachdem ich mich geöffnet habe? Hat jemals wieder jemand nachgefragt, wie es mir geht? Nein. Niemand.

Und ich mache nicht mal jemandem einen Vorwurf daraus. Ich glaube einfach, es ist wirklich schwer das Ganze nachzuvollziehen und zu verstehen, dass man nicht einfach damit aufhören kann, nur weil jemand einem sagt, dass das falsch ist was man da tut. Denn eigentlich weiß man das ja selbst.

Naja es gab dann ca. ein Jahr später den Punkt, an dem ich dem wohl wichtigsten Menschen in meinem Leben geöffnet habe. Erzählt habe was mit mir los ist. Wieso ich ständig so zickig reagiere wenn man mir eigentlich eine Freude machen will und mir z.B. ein kleines Teilchen vom Bäcker mitbringt. Naja und das einzige was ich zu hören bekommen habe war „Ich wusste dass du irgendwann mal Probleme mit deinem Hüftspeck bekommst“. Wieso ich mich an diesem Tag geöffnet habe? Weil ich wusste, dass ichs nicht alleine schaffe. Weil ich gehofft habe, dass mich endlich jemand an die Hand nimmt, mir endlich jemand hilft. Aber auch meine letzte Rettung, hat mich in dem Moment nur noch tiefer ins Loch getreten.
Aber das war der Moment, an dem mir klar wurde.. Juli du musst das alleine schaffen! Niemand geht diesen Weg für dich!

Ja und so blöd das klingt, aber ab diesem Tag wurde alles besser. Ich war soooo tief gefallen, dass mich das stark gemacht hat.

Kennt ihr das, wenn ihr richtig richtig traurig seid, stundenlang geweint habt und auf einmal wird es warm in der Brust und ihr merkt, wie ihr wieder stark werdet? Wie ihr merkt, dass es das alles nicht wert ist, dass es so nicht weiter gehen kann? So ging es mir in dem Moment. Ich war plötzlich stark. Ganz am Boden angelangt, war da plötzlich diese Kraft, diese Stärke, wie aus dem Nichts.

Ich habe gekündigt, meinem Chef noch ne saftige E-Mail geschrieben und ihm die Meinung gesagt und es wurde alles gut ..

Nein, natürlich nicht von heute auf morgen. Es war auch da noch ein harter Weg. Oft waren die Gedanken da wie einfach es doch wäre, jetzt einfach zum Klo zu rennen. Wie gut man sich doch danach fühlen würde. Aber ich war stark.

Ich hatte noch oft Heißhungeranfälle, aber ich habe mich selbst „bestraft“ in dem ich das Ganze drin behalten habe. „Juli, selbst schuld wenn du das alles isst, dann nimmst du jetzt eben zu.“ Und ja, auch wenn es absurd klingt. Aber es hat mir geholfen.

Sicherlich hat da jeder seinen eigenen Weg wie er es aus der Sucht schaffen kann. Mein Weg wird nicht für jeden der Richtige sein.

Aber ich stehe heute hier, habe in den letzten Monaten ungefähr 6 kg zugenommen (meine Waage wurde mittlerweile verbannt) und fühle mich verdammt noch mal wohl damit. Hauptsache ich bin glücklich. Und das bin ich.

Mädels ihr habt nur ein Leben. Verbringt das nicht damit euch selbst zu zerstören. Bitte!

25.6.14 00:55

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